Gott als liebenswürdiges Monster? Der Film “Sieben Minuten nach Mitternacht” bietet diese Interpretation an: Das Leben des jungen Conor ist alles andere als sorglos: Seine Mutter hat Krebs, er muss deshalb bei seiner unnahbaren Großmutter wohnen, und in der Schule verprügeln ihn die großen Jungs. Kein Wunder, dass er jede Nacht Albträume bekommt.
Doch dann wird alles anders: Als er wieder einmal schweißgebadet – um Punkt sieben Minuten nach Mitternacht – aufwacht, hat sich der alte Baum vor seinem Fenster in ein riesiges Monster verwandelt und spricht zu ihm. Ist das noch der Traum – oder ist es Realität? Das weise Monster beginnt, ihm Geschichten zu erzählen. Fortan kommt sein ungewöhnlicher Freund jede Nacht und seine Erzählungen führen Conor auf den Weg zu einer überwältigenden Wahrheit…
Kindlich-ambivalente Gottesvorstellung
Wer sich nicht von einigen etwas düsteren, aber nie ins Horror-Genre abgleitenden Szenen verschrecken lässt, ja das (letztlich liebenswürdige, da fürsorgliche) Baum-Monster als Bild für eine kindlich-ambivalente Gottesvorstellung nimmt, wird mit einem opulenten Feuerwerk an fantastischen und wunderschönen (Aquarell-) Bildern belohnt.
Dieser sehr philosophische Märchenfilm spricht bei Erwachsenen wie Kindern – freilich auf deren unterschiedlichen Erfahrungs- und Empfindungsebenen – die Themen Angst, Wut, Ohnmacht, Glaube, Hoffnung und Verlust geliebter Menschen an. Der Film betört, wühlt auf, ermutigt, zwingt zum Nachdenken. Und setzt einen dezenten Seitenhieb auf eine Kirche, die ihren Glauben verraten hat.
Schön-trauriges Ende
Die Verfilmung (Originaltitel: “A Monster calls”) basiert auf dem vielfach preisgekrönten, gleichnamigen Roman von Patrick Ness. Der Journalist und Schriftsteller entwickelt darin die Idee seiner Schriftstellerkollegin Siobhan Dowd weiter, die das Buch wegen ihres Krebstodes nicht beenden konnte.
Für uns ein cineastisches Highlight aus 2017 mit überzeugendem Hauptdarsteller, gelungenen Spezialeffekten und einem schön-traurigen Ende, für das man reichlich Taschentücher bereitlegen sollte. Unbedingt anschauen! Der Film liegt als DVD und Streaming-on-Demand (Leihfilm) vor.
Hier geht es zu einer ausführlichen Filmkritik von Robert Hofmann.
