Hast Du schon mal über Deine Bestattung nachgedacht? Diamantbestattung ist der letzte Schrei. Dazu wird nach Deiner Kremation die Asche zu einem 7-8 Millimeter kleinen Diamanten gepresst. Gäbe es in Deutschland nicht den Bestattungszwang, könntest Du dann an einem Ring oder Collier herumgeführt werden.

Soll es noch etwas kompakter sein? In einem legendären Gedankenexperiment kein Problem: Zwischen den Bestandteilen von Atomen, also
- Protonen,
- Neutronen,
- Elektronen
ist ziemlich viel leerer Raum, nichts. Du erinnerst Dich aus dem Chemieunterricht: Das einfachste Atom, das Wasserstoffatom, hat ein Proton, dem ein Elektron Gesellschaft leistet. Alles dazwischen ist leer. In Relation zur “Größe” vom Proton und Elektron besteht ein Wasserstoffatom zu 99,99999999 % (8 Nachkommastellen!) aus Leere, aus Nichts!

Materie als aufgeblähtes Nichts
Nehmen wir nun die ganze Menschheit, also rund 8 Milliarden Menschen. Stell Dir vor, man könnte den leeren Raum zwischen den Elementarteilchen herauspressen, bis alle Protonen, Neutronen und Elektronen sich berühren. Auf welche Dimension käme eine solche atomare Pressung der Menschheit? Bitte erst schätzen, dann weiterlesen!
Tatsächlich könnten die Elementarteilchen der gesamten Menschheit bequem in einem Zuckerwürfel hocken! Verrückt, nicht wahr? Ich finde, dass dieses Gedankenexperiment eindrucksvoll die Absurdität der materialistischen Weltanschauung des Westens zeigt. Materie am Limit. Das, was wir als
- “Welt”,
- “Materie”,
- “Realität”
bezeichnen, ist eine vorübergehende Blähung von (fast) nichts. Sich dessen im Angesicht der eigenen materiellen Vergänglichkeit – ob als Asche oder Diamant – gewahr zu werden, nennt man im Orient ein “weises Herz”, wobei das Herz als Sitz von Willen, Gedanken und Weisheit gesehen wird:
“Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.” Psalm 90,12 (EÜ)
Kultur weisen Misstrauens
Im Orient ahnte man immer schon, dass “Welt” i.S.v. “Realität” mehr ist. Dort gilt es als weise,
- dem sinnlichen Erfahrungs- und rationalen Erkenntnishorizont zu misstrauen.
- darauf zu vertrauen, dass unsere Welt von einer größeren, geistlichen Realität, Wahrheit umschlossen und durchdrungen ist, die sich im Glauben erschließt.
Kann es sein, dass uns diese Weisheit fehlt? Dass uns ihr Mangel in Politik und Gesellschaft immer häufiger in die Irre führt? Der Witz ist: Im Westen sind es neben den Theologen ausgerechnet einige hochkarätige Quantenphysiker wie
- Max Planck,
- Gerd Ganteför und der
- Nobelpreisträger Anton Zeilinger,
die am Geist immer mehr Interesse zeigen.
“Es gibt keine Materie, sondern nur ein Gewebe von Energien, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wurde. Dieser Geist ist Urgrund aller Materie.” – Max Planck
Geist als Faktor in der Wissenschaft – das ist eine kleine Revolution! In der orientalischen Gesellschaft ist dieses Bewusstsein allerdings weniger aus wissenschaftlichen Überlegungen, sondern mehr aus Tradition tief verankert. Der Westen hat das nur selten begriffen und zu würdigen vermocht, was mit ein Grund ist, warum er sich als Vermittler z.B. im Nahostkonflikt, der auch ein geistlicher ist, so schwertut.
Transzendente Reserve neu wertschätzen
Wo die orientalische Gesellschaft millionenfach einwandert, droht der “Clash of Cultures” (dt. “Zusammenprall der Kulturen”), da die eine Gesellschaft mit der anderen in solch zentralen Axiomen nicht kompatibel ist. Es braucht schon viel Optimismus, besser: Naivität, vom Islam zu erwarten, dass er seine geistlich-ganzheitliche Weltsicht auf unseren säkularen Materialismus zurechtstutzen lässt. Diesen Gefallen wird er uns nicht tun, weil er das fast für obszön hält. Das Wort “Islam” bedeutet nicht von ungefähr “Unterwerfung”.
Wäre es daher nicht dringend notwendig und somit weise, wir würden jene transzendente Reserve neu wertschätzen und restaurieren, die unsere einstige, jüdisch-christliche Weltanschauung – trotz einiger unbestritten dunkler Passagen – geistesgeschichtlich auszeichnet?
Titelillustration: Playground AI
