Ist die Jungfrauengeburt wahr? Zu meiner Pennälerzeit kursierte vor Weihnachten dieser Witz: “Weihnachten fällt aus – Josef hat gestanden.” Keine Jungfrauengeburt, keine Feier. Buchstäblich Cancel Culture.
Und im Grunde auch kein Christentum, denn was soll noch an seinem Begründer besonders, d.h. göttlich sein, wenn auch an seiner Zeugung ein ordinäres Y-Chromosom-Spermium eines Mannes beteiligt war, wie seit Generationen und Milliarden anderer Menschen?
Wir leben ja in tollen Zeiten:
- Wir stellen die Sprache Luthers und Goethes auf den Kopf, weil wir sicher sind, dass das Geschlecht nur ein soziales Konstrukt ist, das es in unendlich vielen Varianten gibt.
- Wir sind auch sicher, dass es gesellschaftlicher Fortschritt ist, wenn in naher Zukunft jeder durch einen schlichten Verwaltungsakt jährlich (!) sein Geschlecht wechseln kann.
Aufreger Jungfrauengeburt
Ist es nicht erstaunlich, dass angesichts solcher Kuriosa, deren praktische Um- und Durchsetzungsformen wie dem Binnen-I nur auf geringen Widerspruch stoßen, sich die Mehrheit der Deutschen umso vehementer der Vorstellung von einer Jungfrauengeburt widersetzt? Woher kommen plötzlich hier soviel ablehnende Expertise und kritische Erregung?
Ist die Jungfrauengeburt wahr? Biologen kennen diese Frage unter dem Fachbegriff “Parthenogenese” (altgr. parthenogenesis, von parthenos „Jungfrau“ und genesis „Geburt“, „Entstehung“), auch Jungfernzeugung oder Jungferngeburt genannt. Das Prinzip der eingeschlechtlichen Fortpflanzung, bei der Nachkommen aus einzelnen, unbefruchteten Eizellen entstehen, findet sich in der Natur häufiger als bislang angenommen.
Kein Genuss ohne Sex?
Der Theologe David Pawson berichtet in einem hörenswerten Vortrag, dass der Medizin auch Fälle von Parthenogenese bei Menschen bekannt sind. Gezeugt wurden stets nur Mädchen, da der Eizelle ohne Befruchtung das notwendige Y-Chromosom fehlt.
Fortpflanzung ohne Sex klingt nicht nach Genuss? Weit gefehlt! Denn ausgerechnet unsere heimische Honigbiene ist eine Meisterin darin. Die Bienenkönigin dreht den Spieß sogar noch um und “zeugt” ohne Befruchtung je nach Bedarf auch männliche Bienen, also Drohnen.
Diese spannende Entdeckung verdanken wir dem oberschlesischen “Bienenpfarrer” Johann Dzierzon (1811-1906), der es mit seinen Forschungen und Publikationen bis zur Ehrendoktorwürde brachte – in Philosophie!
Übrigens zum Missfallen der katholischen Kirche, die die Parallelen zur marianischen Jungfrauengeburt als lästerlich empfand. Und zum Gefallen bei Werbeagenturen, die “Virgin Honey” als Vermarktungsidee nutzen, denn die christliche Tradition pflegt diese Sinnbilder:
- die Biene für die Jungfräulichkeit,
- der Honig für Gottes Wort und Wahrheit,
- das Wachs für den Leib Christi, der vergehen muss, aber dabei das Licht des Glaubens spendet.
Wahrheit auf einer Brotscheibe
Wenn Du also mal wieder vor einem Honigbrot sitzt: genieß es, denn es verdankt sich der Wahrheit von Jungfrauengeburt! Ein leckerer Beweis, dass Gott Humor hat und immer wieder zu überraschen vermag…
Ist die Jungfrauengeburt wahr? Nun, die Jungfrauengeburt ist mit Sicherheit nicht abwegiger als unendlich viele Geschlechter, die man wechselt wie seine Autoreifen:
- Warum sollte Gott etwas unmöglich sein, das einfachen Bienen gelingt?
- Und welche Folgen hat das für die Wahrheit Jesu, die seitdem die Welt bewegt?
- Wenn doch der Anfang stimmt, dann könnte auch der Rest der Geschichte stimmen?
“Lüge und Täuschung gehen vorüber, aber die Wahrheit bleibt.“ – “Bienenpfarrer” Johann Dzierzon
Geh’ dem einmal nach! Ich wünsche ein weniger aufgeregtes und dafür mehr angeregtes Nachsinnen über Weihnachten. Übrigens: Ich hätte da noch eine Geschenkidee…
Fotos: Playground AI, The Gourmet Food Co.
