Mensch, wer/was bist Du? – Gestern war der 11.11. und es kamen uns mitten in Hamburg (!) allerlei Kostümierte entgegen, allen voran zwei falsche Mönche. Ich habe “Alaaf” gerufen, was mit einem herzlichen “Helau” erwidert wurde. Doch, auch Norddeutsche können das.

Ich bin eine Katze

Der Psychiater Raphael Bonelli analysiert in seinem jüngsten Video aktuelle Fälle, bei denen sich Menschen für ein Tier halten. Ganz ohne Faschingskostüm, als ihre reale Identität: Eine 17-Jährige hält sich für einen Fuchs, ein junger Mann für einen Wolf.

In Australien machte ein Fall Schlagzeilen, bei dem ein Mädchen als Katze respektiert werden wollte. Und als ob das nicht pathologisch genug wäre – ihre Schule hat beschlossen, dem Wunsch zu entsprechen und empfohlen, der Katze möglichst nicht “auf den Schwanz zu treten”. Ja, ich habe den Fall nachrecherchiert und frage mich seitdem, ob nur noch ein Veterinär Erste Hilfe leisten dürfte?

Willkommen als Benutzer:in

Im Grunde bräuchte uns das alles nicht weiter zu sorgen. Jeder Jeck ist anders, heißt es doch gerade wieder so schön. Bis ich vor einigen Tagen das Betriebssystem meines MacBooks aktualisiert hatte. Denn ich staunte nicht schlecht, als ich plötzlich als “Benutzer:in” und “Benutzer:innen” begrüßt wurde. Apple Deutschland hat die MacOS-Version “Ventura” durchgegendert. Ich wurde weder darüber vorher belehrt oder gefragt, noch gibt es eine Gendern-Aus-Option.

Einstweilig läuft mein Computer in der englischen Spracheinstellung. Denn abgesehen von der Unleserlichkeit, habe ich Rückfragen und Vorbehalte zum Genderismus. Ohne ausreichender linguistischer Plausibilität (Sexus versus Genus) steht er bei mir im Verdacht, ideologisch begründet zu sein. Und wenn ich wie bei Apple einer Ideologie zwangsweise unterworfen werde, hört bei mir der Spaß auf.

Verdrehung von Identifikation und Identität

Mensch, wer/was bist Du? Wir betreiben mehrere Online-Shops. Irgendwie haben wir es nie für nötig befunden, bei der Bestellung nach der gewünschten Anrede Frau/Herr zu fragen. Nun wurde ich kürzlich darüber rechtlich belehrt, dass unsere Shops jederzeit abgemahnt werden könnten, wenn wir nur Optionen anböten, die einer binären Geschlechtervorstellung entsprechen. Erst mit einer dritten Option “Divers” wären wir über den Vorwurf der Diskriminierung erhaben und man könnte uns nicht mehr vor den Kadi zerren.

Ergo: Die unbedachte Verwechselung bis mutwillige Verdrehung von Identifikation und Identität führt dazu, dass minoritäre Befindlichkeiten eine allgemeingültige, neue Rechtsordnung definieren – und das ohne mein explizites Mandat.

Rechtssprechung aus Gefühl

Wer seine Identität ohne irgendeinen validen Befund als non-binär oder gar Katze definiert, kann das gerne machen. In der Psychiatrie ist das nichts Neues. Neu ist hingegen, dass ich jetzt schon subtil, bald aber unter Strafandrohung meine sprachliche Verbeugung und die “korrekte” Anrede schulde. Neu ist, dass gefühlte Identitäten von heute die Rechtssprechung von morgen werden.

Darf ich offen sein: Das, was mir darin als “Fortschritt” oder als “Zukunft” angeboten wird, überzeugt mich weder von der Begründung, noch von der Konzeption, schon gar nicht in der Umsetzung und am aller wenigsten in den gesellschaftlichen Implikationen. Aber das ist ein eigenes Thema.

Verlust des Menschlichen

Mensch, wer/was bist Du? Ich hege weiterhin die, vielleicht etwas naive bis überholte, Ansicht, dass der Mensch mit Blick auf Gott als Fixpunkt wahrhaft erkennen kann,

  • wer/was er ist (oder auch eben nicht ist),
  • was er wissen kann,
  • was zu tun ist und
  • was er hoffen kann,

wie es Kant (übrigens frei vom Verdacht einer besonderen Frömmigkeit) in seinen Grundfragen menschlicher Existenz formuliert hat.

“Eine Gesellschaft, die das Göttliche aus dem Blick verliert, verliert nach und nach auch das Menschliche.” (Johannes Hartl)

Ich möchte hinzufügen: Und im Weiteren verliert sie auch die Erkenntnis, wer oder was ein “Mensch” überhaupt ist.

Foto: Playground AI

Mehr am “Abend der Wahrheit” mit der Frage: “Wie wahr ist Wahrheit?”

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