Schuld und Versöhnung sind ein zuverlässiges Duo für großartige und herzzerreißende Dramen. Im Leben wie auf der Leinwand: Daniel ist nach seiner Entlassung aus der rauen Welt der Jugendhaftanstalt auf dem Weg zu seiner beruflichen Rehabilitation in einem Sägewerk. Doch noch bevor er sich dort vorstellen kann, zieht es den frisch Bekehrten in die nahegelegene Dorfkirche. Übermächtigt von seinem eigentlichen Berufswunsch als Pastor schlüpft er kurzerhand in eine heimlich mitgeführte Soutane und übernimmt die Vertretung des Dorfpfarrers, der einen Kuraufenthalt antritt und Daniels Vorstellung als Priesternachwuchs für bare Münze nimmt.
Nachdem die Dorfgemeinde die Verwunderung über Daniels unkonventionellen Stil überwunden hat, gewinnt er mehr und mehr Vertrauen und versucht, die seit einem tragischen Unglücksfall gespaltene Dorfgemeinschaft zu versöhnen. Als er auch die streng religiöse Gemeindefraktion vom Weg der Vergebung überzeugen kann, wird Daniel von einem Mithäftling verraten…
Nach wahren Begebenheiten inspiriert
Die nach wahren Begebenheiten “inspirierte” Geschichte von Schuld und Versöhnung aus Polen fesselt zunächst durch einen brillanten Hauptdarsteller. Aber richtig Gänsehaut bekommt man, wenn man die Meta-Ebene entdeckt, d.h. Jesu Leben und dessen Gipfel in den Ostereignissen: Werben um Versöhnung, Aufbrechen religiöser Verkrustung und Dogmatik, Abendmahl, Verrat, Misshandlung, (im Film beinahe) Hinrichtung.
In der Schlusssequenz stellt sich Daniel einem gefürchteten Knastbruder und Schläger, der eine offene Rechnung begleichen will. Es kommt zu einem brutalen Duell, in dessen letzter Kameraeinstellung Daniel blutüberströmt dem Zuschauer entgegenwankt. Sensible Gemüter können bis hierher die Vorspultaste drücken.
Passion Christi “light”
Wem wie mir Mel Gibsons “Passion Christi” zu heftig ist, durchlebt hier das Grauen vom Karfreitag in einer gerade noch erträglichen Fassung. Auch sonst beschönigt der Film nichts und mutet dem Zuschauer menschliche Abgründe und Gewalt, Schuld und Versöhnung als Hinweis auf die Lebenswirklichkeit schonungslos zu. Umso kontrastvoller kann Daniels Hingabe als “Priester” (und Erlösungsbringer) leuchten – und begeistern!
“Corpus Christi” entpuppt sich unerwartet als Karfreitagsfilm – ob zufällig oder beabsichtigt, verrät der Regisseur leider nicht. Der Start in der Vorosterzeit als Streaming-on-Demand (Leihfilm) bei Amazon passt jedenfalls.
Hier geht es zum Filmtrailer. Möchtest Du den Zusammenhang von Schuld, Versöhnung und Freiheit kennenlernen? Der “Abend der Freiheit” könnte Dir gefallen!
