Im Garten neben dem Haus sitzt Jakob auf der Schaukel, schaukelt und murmelt vor sich hin: “Ich bin da. Du bist da. Wir beide sind da.” Jakob steigt von der Schaukel herunter und hüpft auf einem Bein. “Ich bin da. Du bist da. Wir beide sind da. Mmh!” Er setzt sich an die Hauswand und probiert Stillsitzen: “Und wenn ich gar nichts tue – wenn ich ganz still bin. Ich bin da. Du bist da. Wir beide sind da.” Jakob ist zufrieden. Es stimmt immer. Er geht wieder schaukeln: “Ich bin da, du bist da.”

Ich bin da, du bist da

Jakobs Vater kommt vom Büro heim: “Na, da bist du ja, Jakob.” Jakob lässt sich nicht stören: “Grüß dich. – Ich bin da, du bist da, wir beide sind da.” Der Vater fragt verwundert: “Ist das ein neuer Abzählreim?” “Nein”, sagt Jakob, “das ist ein Gebet, das ich gerade erfunden habe.”

Der Vater staunt: “Ein Gebet!?” “Ja”, sagt Jakob, “weißt du, die Gebete, die wir im Kindergarten und in der Schule gelernt haben, die sind alle total langweilig. Immer dieselben. Und manche passen nur zum Essen oder nur zum Aufwachen in der Früh. Ich hab ein Gebet erfunden, das immer passt. Lieber Gott! Ich bin da. Du bist da. Wir beide sind da.”

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Es stimmt überall

Der Vater fragt: “Ja, und wie geht’s weiter?” Jakob antwortet: “Gar nicht. Das genügt doch, oder? Weißt du, Vati, bei dem Gebet denkt der liebe Gott bestimmt: Aha, der Jakob ruft mich. Da muss ich ihm zuhören. Der liebe Gott, sagt die Mutti, ist nämlich immer da, überall. Na, und wenn ich da bin und der liebe Gott ist da, dann sind wir beide zusammen da – das ist doch schön, nicht? Und es stimmt überall. Beim Spielen, beim Essen, beim Trommeln, beim Hausaufgaben machen, überall. Ich hab’s ausprobiert.”

“Vati, wenn dir mein Gebet gefällt, dann kannst du es haben. Ich schenk es dir.” Da wird der Vater ein bisschen verlegen und murmelt: “Oh, na ja – mmh, danke.” Jakob fragt: “Meinst du, es passt auch fürs Büro?” Der Vater antwortet: “Mmh – na, warum denn eigentlich nicht?” “Und im Autobus? Du, Vati, ich sag’ dir was: Probier mein Gebet morgen aus, überall, und sag mir am Abend, ob es gestimmt hat.”

Einführung ins Jesus-Gebet

Der Vater sagt: “Gut, wenn du das möchtest. Ich werde einen Test machen. Wie geht das noch?” “Lieber Gott, ich bin da, du bist da, wir beide sind da!” Jakob schaukelt vergnügt weiter.

Ende der Geschichte, wie ich sie kürzlich von Christoph Ehrat in der Schweiz gehört habe. Sie ist eine der schönsten und schlichtesten Einführungen in das kontemplative Gebet bzw. Jesus-Gebet, die ich kenne.

Foto: Unsplash

Mehr am “Abend der Klarheit” mit der Frage: “Wie erotisch ist Gebet?”

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