Gibt es noch die Hütchenspieler am Alexanderplatz? Ich war länger nicht mehr in Berlin, daher meine Frage. Wenn nicht, so hätte ich eine Vermutung: man trifft sie nun gelegentlich auf Kanzeln, Bibelschulen und Lehrstühlen der Theologie. Denn man stößt zur “Erklärung” der Trinität Gottes immer wieder auf einen Trick, der so geht:

“Gott der Vater und Gottessohn und der Heilige Geist sind ein (dreieiniger) Gott.”

Jeder mathematisch normal gebildete Mensch fängt unweigerlich an, mitzuzählen bzw. zu addieren:

1 Person + 1 Person + 1 Person = 1 (personaler) Gott

Oder als mathematische Gleichung:

1 + 1 + 1 = 1

Falle Dreigötterglaube

Damit wäre meine Abiturprüfung in Mathematik ziemlich schnell beendet gewesen. Aber für mich als Christ soll diese “Formel 1 des Christentums” eine Erklärung der Dreifaltigkeit Gottes, also Wahrheit sein? Kann man es den Muslimen verübeln, dass sie Christen an dieser Stelle bestenfalls für schlicht halten, schlimmstenfalls einen lupenreinen Dreigötterglauben (der es sogar in Dreh-/Bücher wie von “Die Hütte” schafft) vorwerfen? Und auch der Rest der Welt schaut uns ratlos an.

Ich bin hier regelmäßig ausgestiegen und habe lange Zeit um jede Erklärung der Dreifaltigkeit Gottes einen Bogen geschlagen. Ein Theologieprofessor verriet mir, dass selbst Studenten und Dozenten das Thema “Trinität”, d.h. die Dreifaltigkeit Gottes am liebsten “meiden”.

An wen richtest Du Gebete am häufigsten?

Großes Besteck nötig

Da hilft auch nicht der bei evangelikalen Christen beliebte Ausruf: “Jesus allein genügt!” Prinzipiell richtig, klingt es eher hilflos als überzeugend – und passt nicht zu dem, was die Jünger und die Christengemeinde zu Pfingsten erlebten.

Nein, für eine einigermaßen plausible Erklärung der Dreifaltigkeit ist größeres Besteck nötig. Und das findet man bei einem der wichtigsten Kirchenlehrer des Christentums: Thomas von Aquin. Er versteht die Dreieinigkeit Gottes als “Produkt” aus den dreifaltigen Beziehungen zwischen den drei göttlichen “Personen”. Ich habe den Begriff “Personen” in Anführungszeichen gesetzt, weil der antike Personenbegriff etwas völlig anderes meint als wir heute damit bezeichnen und weswegen wir uns heute mit der Trinität schwerer tun als die frühen Christen! Ich gehe am “Abend der Einheit” ausführlich darauf ein.

Christliches Dreimaleins

Und ich setze “Produkt” in Anführungszeichen, weil uns der Begriff zur Pointe dieses Beitrags führt, nämlich wie das christliche Dreimaleins zur Dreifaltigkeit Gottes mathematisch korrekt und verständlich wird. Denn Mathematik bietet in der Tat einen Schlüssel. Mathematik ist immer wahr, auch bei Gott. Es gab sie schon vor der Erschaffung dieser Welt in Raum und Zeit. Daher sollte es nicht überraschen, dass sie zur Erklärung der Dreifaltigkeit Gottes eine Hilfe ist.

Die Lösung geht so: Wenn die Dreifaltigkeit Gottes auf den Beziehungen zwischen drei göttlichen “Personen” (i.S.v. “Seinsweisen” oder “Erscheinungsweisen”, dazu wie gesagt am “Abend der Einheit” mehr) beruht, dann dürfen die drei “Personen” niemals addiert werden! Diese Gleichung geht weder in der Mathematik noch bei Gott als “1” auf.

Multiplikation statt Addition

In der Mathematik werden Beziehungen als “Produkt” aus einer Multiplikation (je nach Rechenweise auch Division) dargestellt. Z.B. ergeben die Beziehungen von Länge mal Breite mal Höhe als Produkt einen Raum oder Körper. Daher gilt für das Trinitätsmodell bei Thomas:

1 · 1 · 1 = 1

Auch eine “Umkehrung” als Division

1 : 1 : 1 = 1

wäre möglich und bringt die trinitarischen Beziehungsverhältnisse elegant zum Ausdruck:

“Gott der Vater durch/im Verhältnis zum Gottessohn durch/im Verhältnis zum Heiligen Geist sind eine (dreieinige) Gottheit.”

Exkurs für die Theologen: Wer das “Filioque” betonen möchten, kann dafür Klammern verwenden:

(1 · 1) · 1 = 1

bzw.

(1 : 1) : 1 = 1

In jedem Falle ist es jetzt logisch und mathematisch korrekt. Und kann als Wahrheit gelten. Oder wir bescheiden uns und sprechen lieber vom “Geheimnis” der Dreifaltigkeit. Damit liegen wir als “Erklärung” der Trinität immer richtig. Übrigens: Was die Trinität mit Alfred Hitchcock zu tun hat, erkläre ich in einem anderen Beitrag.

Foto: Shutterstock

Mehr am “Abend der Einheit” mit der Frage: “Wie viel ist Gott?”

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