Die Szene mit Jesus im Garten Gethsemane geht unter die Haut. Sie gehört sicher zu den meist studierten Bibelstellen. Es gibt viele Methoden, die Bibel zu studieren. Kürzlich erwähnte ich die “Hummel”-Methode: einzelne Verse wie eine Blume immer wieder umkreisen. Oder die “Adler”-Methode: die ganze Geschichte der Bibel aus großer Höhe betrachten. Aber kennst Du schon die “Columbo”-Methode?
Strategie der Beharrlichkeit
TV-Inspektor Columbo löst seine Fälle mit Zigarren und durch nervige Beharrlichkeit. Ungereimtheiten beschäftigen ihn so lange, bis er eine plausible Lösung findet. Vorher lässt er nicht locker. So dürfen wir auch an die Bibel herangehen. Mit oder ohne Zigarre.
“Ich lasse Dich nicht los, ehe…!”

Jesus im Garten Gethsemane
Kleine praktische Übung: Hinter uns liegt Ostern. Da habe ich mal wieder die Gethsemane-Szene gelesen (Mt 26,36-46, Lk 22,39-46). Jesus geht mit den Jüngern zum Garten Gethsemane, nimmt aber nur Petrus, Johannes und Jakobus mit hinein zum Gebet. Er zieht sich dort von den dreien zurück und als er zurückkehrt, sind sie eingepennt. Er weckt sie, geht wieder weg, betet, kehrt zurück. Wieder sind alle eingeschlafen. Trotzdem wird diese Szene erstaunlich detailreich berichtet, z.B. dass Jesus Blut geschwitzt hat. Sogar der genaue Wortlaut seines Gebets (“…so lass diesen Kelch an mir vorübergehen…”) wird wiedergeben. Ja, wenn die einzigen Zeugen, die in unmittelbarer Sicht- und Hörweite waren, immer eingeschlafen sind – wie glaubwürdig und authentisch ist diese Schilderung dann überhaupt noch?
Auf der Spur unbekannter Zeugen
Wenden wir nun die Columbo-Methode an:
1. Idee: Jesus hat es den Jüngern erzählt, vielleicht so:
“Hey Jungs, ihr habt eben echt was verpasst…!”
Wenig wahrscheinlich, da Jesus unmittelbar danach verhaftet wird und die Jünger flüchten. Da blieb keine Zeit zur Weitergabe.
2. Idee: Andere, zufällige Anwesende waren zugegen. – Wenig wahrscheinlich, da Jesus gesucht wurde und jeder in seiner Nähe sich mit ihm in Lebensgefahr begab. Außerdem war es der Vorabend des Passafestes. Da hatte man weiß Gott Besseres zu tun als sich in einem dunklen Garten herumzutreiben.
3. Idee: Wer kommt noch als Augen- und Ohrzeuge infrage? Wer war noch am “Tatort”? Eine ganze Nacht habe ich gerätselt. Am nächsten Morgen beim Frühstück bekam ich eine sehr plausible Lösung. Von meiner Frau. Wie bei Columbo.
Lösung von Frau Columbo
Ihre Lösung geht so: Es waren noch Jüngerinnen, also Frauen zugegen. Dafür spricht:
- Dass Jesus auch weibliche Jünger hatte, gilt als sicher.
- Die Gruppe kam gerade vom Abendmahl. Ein solches Mahl wurde von Frauen mindestens mit zubereitet. Es wäre also erwartbar, dass auch noch einige Frauen mit nach Gethsemane gezogen sind.
- Zur Zeit Jesu galten Frauen als Zeugen nichts. Daher wird ihre Anwesenheit auch nur selten explizit erwähnt oder gar hervorgehoben.
- Da Frauen nicht sonderlich für voll genommen wurden, konnten sie bei Jesus bleiben, ohne sich wie die kampffähigen Jünger (s. Petrus) in Lebensgefahr zu begeben.
- Nun aber das schlagende Argument: meine Erfahrung als Ehemann lehrt mich, dass Frauen besser wahrnehmen und Worte nicht so schnell vergessen…
Natürlich ist diese Auflösung eine Spekulation, für die Belege fehlen. Aber sie zeigt, dass Bibelstellen, die sich scheinbar dem Verstand querstellen, theoretisch überraschend einfach lösbar wären. Das hilft mir, auch dem Rest der Bibel zu vertrauen.
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