Warum ist Gott unsichtbar? Gestern bin ich einem Nachbarn wiederbegegnet. Im Supermarkt. Diesmal habe ich ihn gleich erkannt und wir haben uns nett unterhalten. Erst vor ein paar Tagen kam er mir auf der Straße entgegen. Da war ich mir noch nicht so sicher, dass er es ist. Etwas zögerlich rief ich ihm nach:

“Hallo. Ich glaube, wir kennen uns?”

Da blieb er stehen, drehte sich um, sein Ausdruck erhellte sich und er nickte freundlich. Trotz der Eile, in der er war, ergab sich ein kurzes, aber herzliches Gespräch.

Praktisch unsichtbar

Wir hatten uns diesen Sommer auf einem Nachbarschaftsfest kennengelernt. Obwohl er nicht unmittelbar in unserer Straße wohnt, war er irgendwie dazugeladen worden. Wir kamen ins Gespräch, er beschrieb, wo er wohnt: das Haus gegenüber der U-Bahnstation. Ja, das kannte jeder hier. So gehörte er dazu, war unser Nachbar und genoss diesen herrlichen Nachmittag bei Schnittchen und Wein wie wir alle.

Ohne die Einladung und Begegnung auf dem Nachbarschaftsfest wäre ich weiter an ihm vorbeigelaufen. Er wäre praktisch unsichtbar geblieben, obwohl er doch in diesem Haus gegenüber der U-Bahnstation ebenso lang wohnte wie wir in unserer Straße, nur zwei Ecken entfernt.

Zweifel am unsichtbaren Gott

Warum ist Gott unsichtbar? Die meisten Menschen nehmen wir nicht wahr und bleiben daher unsichtbar, bis wir sie einmal persönlich kennenlernen. Fortan fallen sie uns auf, verlieren ihre Anonymität, bekommen Gesicht. Wir grüßen und werden gegrüßt. Ein Anfang von Nähe, von Beziehung ist gesetzt. Manchmal erzählen sie uns ihre Geschichte, besuchen uns und wir sie, ja wachsen sogar Freundschaften daraus.

Was war oder ist Dein größtes Glaubenshindernis?

Viele Menschen bezweifeln die Existenz Gottes, weil sie ihn nicht “sehen” können. Aber diese “Unsichtbarkeit” liegt nicht an Gott. Sie liegt daran, dass diese Menschen ihn nie angesprochen haben. Er noch immer der unsichtbare Nachbar ist, dessen Nähe, dessen Vorbeilaufen sie nicht wahrnehmen, weil sie sein Gesicht und seine Stimme nicht kennen. Weil er sich ihnen nie vorstellen durfte, er nicht zu ihren Festen eingeladen war.

Kennen zum Wiedererkennen

Im Supermarkt rief mir der Nachbar zur Verabschiedung zu:

“Kennen Sie den Fleischer auf dem Wochenmarkt? Da gehe ich gerne hin. Der macht alles noch selbst!” – “Oh, da war ich heute Morgen erst. Ich werde das nächste Mal nach Ihnen Ausschau halten. Dann sehen wir uns dort bestimmt!”

Ja, wir werden uns dort bestimmt sehen. Jetzt, da er für mich sichtbar wurde, wir uns genug kennen zum Wiedererkennen.

Foto: Unsplash

Mehr am “Abend der Einheit” mit der Frage: “Wie viel ist Gott?”

Wer ist Gott?

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