Darf ich Dich mal etwas Persönliches fragen: Für was lebst Du? Was treibt Dich an?
Bei mir war es 1989, als dieses Foto entstand, die Sehnsucht nach Schönem und die Welt zu verschönern. Und so war ich in den Semesterferien meines BWL-Studiums in die schönste Stadt der Welt gereist: Paris. Dort arbeitete ich in einer der renommiertesten Designagenturen Frankreichs als Grafik-Designer, zu dem ich bereits die Ausbildung abgeschlossen hatte.
Rätselhafte Andeutung
Auch wenn ich (2. v. l.) auf diesem Schnappschuss mit einigen Kollegen und meinen Chefs recht ernst wirke, gehört diese Zeit zu den schönsten und glücklichsten meines Lebens, denn wir alle hatten eine Berufung: die Schönheit! Dafür quetschte ich mich morgens gerne in die Metro, saß beengt in einem Hinterhof am Boulevard des Batignolles und hauste in einem absurd teuren Wohnklo von 11 qm. Allein der Einsatz für die Schönheit zählte.
Während ich Verpackungen und Logos verschönerte, stellte mir eines Tages beim Mittagessen Claire (1. v. r.) unvermittelt eine Frage, die ich brüskiert als zu persönlich zurückwies: “Croix-tu au dieu?” (Glaubst Du an Gott?). Unbeirrt erklärte sie mir, dass sie gläubig sei und dass es noch eine ganz andere Dimension von Schönheit gäbe. Diese rätselhafte Andeutung ließ mich nicht mehr los. Nur wo sollte ich da ansetzen?
Moment der Gottesnähe
An einem sonnigen Wochenende fuhr ich raus nach Chartres. Und nur weil es draußen so unerträglich heiß war, zog mich die Suche nach Schatten und Erfrischung in das kühle Innere der Kathedrale, die für mich zum Schönsten zählt, was Menschen auf Erden errichtet haben. Während sich meine Augen labten, bemerkte ich in meinem Herzen, dass sich mir jemand “näherte”. Da erst fielen mir die anderen Besucher auf. Und ihr viel zu lautes Plappern und Geschlurfe störten diesen intimen Moment der plötzlichen Gottesnähe.
Ich verließ die Kathedrale und fand in der Nachbarschaft die vergleichsweise winzige Kirche Saint-Aignan. Und nachdem ich eine Weile ganz allein auf einem der Stühle gekauert hatte und die schlichte Schönheit der Ausgestaltung genoss, kam es erneut zu einer Begegnung mit – ich nannte es damals unbeholfen: dem Göttlichen. Ich hörte in mir etwas wie eine Stimme: “Dirk, wenn Du die Schönheit suchst und liebst, dann suchst und liebst Du im Grunde Deines Herzens mich!”
“Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu, spät habe ich dich geliebt! Und sieh, bei mir drin warst du.” (Augustinus)
Herzliche Einladung zu einem sehr persönlichen Abend, dem “Abend der Schönheit” zur Frage: “Was ist Schönheit?”
