Suchst Du die ultimative “Challenge”? Wie wäre es mit Stille finden? Das ist nicht nur innerlich eine der größten Herausforderungen unserer Zeit: In einem Schweizer Wintersportort versprach das Wetter perfekte Fernsicht. In der Tat: nach Fahrt mit der Bergbahn zum Gipfel empfing mich auf der Besucherterrasse eine grandiose Aussicht – mit wummernden Bässen, die “Musik” zu nennen ein glatter Euphemismus wäre.

Gott in Stille finden

Alpenpanorama mit 90 Dezibel

Während mein Blutdruck in die Höhe schoss, kauten die anderen Besucher ungerührt auf ihren Pizzen und Burgern. Ich war offenbar der Einzige, dem 90 Dezibel Schalldruck das schöne Alpenpanorama vermiesten.

Dort ging mir auf, dass es immer weniger Orte ohne penetranter Dauerbeschallung gibt. Selbst das “Stille Örtchen” verdient diesen Namen kaum mehr, verehrte Firma Sanifair. Klima- oder Gasnotstand sind in aller Munde, aber Stille finden, der “Stille-Notstand” ist kein Thema.

Stillezonen in den Niederlanden

Bei Frau Antje in den Niederlanden hat man das Problem erkannt, landesweit Zonen mit strengen Auflagen zur Lärmemission eingerichtet und als sog. “Stiltegebied” ausgeschildert. In der Provinz Zuid Limburg (nahe meiner Heimatstadt Aachen) profitieren von den dortigen Stillezonen zahlreiche Ordensgemeinschaften und spirituelle Initiativen. Stille zählt zu den Erfolgsfaktoren, dank derer die Region unter den Niederländern zum beliebtesten inländischen Urlaubsziel wurde. Stille finden statt Strand mit Remmi-Demmi.

Als Tinnituspatient ist jede (zusätzliche) Beschallung für mich nicht nur körperlich, sondern auch spirituell eine Herausforderung. Immer wieder musste ich völlig übersteuerten Lobpreis bei Gottesdiensten oder Konferenzen verlassen – oder den Gehörschutz einsetzen, den ich in einer Kapsel an meinem Schlüsselbund stets bei mir habe.

Ist Dir die Welt auch zu laut?

Offenbarung Stillegebet

Warst Du mal in Taizé? Zu meinen prägendsten Erinnerungen gehörten jene 5 Minuten absoluter Stille, mit denen die schönen Taizé-Gesänge unterbrochen werden. Nie zuvor habe ich Stille so dicht, himmlisch und “greifbar” empfunden.

Daher war für mich die Entdeckung und Einführung in das sogenannte Stillegebet eine Offenbarung. Es gelingt mir in dieser wortarmen bis -losen Gebetsform nicht nur, den Tinnitus zum Schweigen zu bringen, sondern auch Gott zu begegnen und Stille als Begegnungsort zu begreifen. Stille ist für mich nicht länger ein Merkmal seiner Abwesenheit, sondern seiner Anwesenheit.

Verschwebendes Schweigen

Um Gott in der Stille finden, geht auch eine Geschichte vom Propheten Elia im Alten Testament. Eine meiner Lieblingsstellen! Gott erweist Elia die Gunst seiner Erscheinung: Es kommt ein starker Wind, der Felsen zerbricht, aber Gott ist nicht im Wind. Es kommt ein Erdbeben, aber Gott ist nicht im Erdbeben. Dann kommt ein Feuer, aber Gott ist auch nicht im Feuer. Nach dem Feuer kommt “ein stilles, sanftes Sausen” oder anders übersetzt: “eine Stimme verschwebenden Schweigens”. Und Elia spürt: Hier ist Gott.

In meiner eigenen Gebetspraxis habe ich in rund 30 Jahren mit Ausnahme von Flaggentanz so ziemlich alle Formen praktiziert, die es gibt. Im Grunde habe ich Gott alles gesagt, was ein Mensch sagen kann. Und je größer Gott mir wird, desto weniger Worte finde und brauche ich, desto mehr empfinde ich Schweigen, Stille als einzig adäquate Formen meiner Anbetung:

“Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.” (Psalm 62,2)

Theologie der Stille

Schweigen Theologie der StilleDass reifer Glaube immer mehr die Stille wertschätzt und darin sich mitteilen vermag, hat kirchengeschichtlich eine lange Tradition. Übrigens nicht nur im Christentum. Der Theologe Klaus Berger hat in seinem Buch “Schweigen – Eine Theologie der Stille” das Phänomen des Schweigens sowohl von der Seite des Menschen als auch der Gottes geschichtlich und biblisch dargestellt.

Mein Lesetipp, wenn Du das Thema weiter vertiefen willst!

Mehr am “Abend der Klarheit” mit der Frage: “Wie erotisch ist Gebet?”

Wie effektiv ist Gebet?

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