Gibt es eine Hölle? Manche Ehepaare werden nicken… Aber im Ernst: Kann ein liebender Gott zulassen, dass Menschen in die Hölle kommen? Nun, das hängt davon ab, was wir unter Liebe verstehen. Und unter Hölle. Dazu später mehr.
Ich mag das Thema “Hölle” nicht. Es verendet häufig in lächerlichen Vorstellungen von einer infernalen Sauna mit Teufelchen und Dreizack. Dabei kann Hölle so real sein. Frage mal einen Überlebenden von Auschwitz oder aus der Ukraine …
Keine Liebe ohne freien Willen
Ich ziehe das Thema “Liebe” vor. Aber ausgerechnet genau die kann in die Hölle führen: Wenn mit Gott Liebe gemeint ist, dann muss Gott so etwas wie eine Hölle zulassen. Dafür gibt es ungeachtet der biblischen Belege zwingende, religionsphilosophische, d.h. rationale Gründe.
Meine These: Echte Liebe kann es nur geben, wenn sie freiwillig, also ohne Zwang oder Gebot erfolgt. Ohne Gebot? Gott selbst sagt doch:
“Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.” (5Mo 6,5 ELB)
Nach Freiwilligkeit klingt das nicht.
Gebotene Liebe als Widerspruch?
Das „du sollst“ kann man genauso gut mit „du wirst“ übersetzen; es kann beides heißen. Wenn Du erfahren hast, dass
- Gott für Dich da ist und
- mit Dir eine Beziehung eingeht;
- er Dich liebt, befreit und stärkt,
dann wirst Du keine anderen Götter haben und auf seine Liebe antworten, ihn zurücklieben – denn alles andere wäre schlicht bekloppt.
Und doch lässt Gott uns die Option, seine Liebe abzulehnen. Angenommen, Du siehst am Marktstand Äpfel und Birnen. Und egal, was Du verlangst: Du bekommst immer nur Äpfel. Du würdest Dich buchstäblich veräppelt vorkommen. Es wäre eine Scheinwahl, die Deinen Willen überhaupt nicht respektiert. Die Menschen in Osteuropa erinnern sich an solche Wahlen noch gut. Eine echte Wahl braucht echte Alternativen!
Strafe eines zickigen Gottes?
Gibt es eine Hölle? Wenn Gott Dich frei wählen lässt, seine Liebe anzunehmen und ihn zurückzulieben, so muss es eine Alternative für diejenigen geben, die an Gottes Liebe nicht interessiert sind. Das ist übrigens keine zickige bis beleidigte “Bestrafung” der Ablehnung, sondern die einzig denkbare Lösung ohne distanzlose Zwangsbeglückung. Diese Alternative kannst Du nennen wie Du willst – die Bibel benutzt dafür u.a. den Begriff “Hölle”, den Zustand nennt sie “verloren”. C. S. Lewis schreibt:
„Am Ende werden nur zwei Gruppen von Menschen vor Gott stehen – jene, die zu Gott sagen: »Dein Wille geschehe«, und jene, zu denen Gott sagt: »Dein Wille geschehe«. Alle, die in der Hölle sind, haben sie sich erwählt.“
Wie auch immer die Wahl bzw. Entscheidung ausfällt – Gott respektiert sie. Er nimmt uns darin total ernst. Dieser Respekt ist seiner Liebe geschuldet.
Was oder besser: wie ist Hölle? Die Bibel bleibt da vage. Ich persönlich denke, dass es der Ort und Zustand ist, an dem wir Gott endlich los sind: “gottlos”, d.h. absolute und ewige Abwesenheit Gottes. Wenn Gott Licht, Schönheit, Freude, Hoffnung, Trost und Frieden ist – dann fehlt all das in der Hölle.
Dann ist Hölle unvorstellbare Dunkelheit, Hässlichkeit, Traurigkeit, Verzweiflung, Leid und Unfrieden. Ich kann mir gut vorstellen, dass an diesem gottlosen Ort der Mensch nur noch auf seine Unerlöstheit (und die aller anderen) schauen wird, er also in einer entsetzlichen Gesellschaft ist und sich mehr denn je selbst zur Hölle wird. Das deckt sich mit Berichten aus Nahtoderfahrungen.
Kein unabwendbarer Schicksalsschlag
Gibt es die Hölle? Es wird oft gesagt, dass es keine Hölle gebe, weil es auch keinen Himmel gebe. Dass der Denkfehler schon in der Erwartung eines “Lebens danach” liege. Ich bin mir da nicht so sicher, da es gute Gründe für ein “Leben danach” gibt.
Ist Gott deswegen böse oder gemein, weil er zuschaut und zulässt, wie Menschen in die Hölle kommen? Nein, das ist ja gerade seine Liebe: Er lässt jeden seiner Wege ziehen. Hölle ist kein unabwendbarer Schicksalsschlag, sie ist die Konsequenz Deiner autonomen Entscheidung. Die Geschichte vom verlorenen Sohn illustriert dies eindringlich.
Und diese Geschichte erzählt noch etwas: Es gibt noch die Möglichkeit der Einsicht, der Reue und der Umkehr. Gott sucht nach verirrten Schafen, die verloren gehen könnten. Gott hält sehnsüchtig Ausschau nach uns.
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